Kölner Kammerorchester

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Date: 27.03.2014

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Spitz zirpt das Cembalo

Nicholas McGegan dirigierte das Kölner Kammerorchester in der Philharmonie

Man kann Haydns Sinfonie Nr. 83 (g-moll), auch "La Poule" genannt, durchaus genießen, ohne vorher die "Henne" von Jean-Philippe Rameau, ein entzückendes Clavecin-Stück, gehört zu haben. Robert Levin aber, umtriebig auf fast allen Tasteninstrumenten, war in der Philharmonie anderer Meinung. Er ließ nach kurzer Einführung die junge Taiwanesin Ya-Fei Chuang nämliches "Federvieh" auf einem Hammerflügel vorführen - das Publikum und das Kölner Kammerorchester lauschten den silbrigen Klängen andächtig.

Die Pianistin spielte ungemein delikat und nuanciert, stellenweise mit einem schier atemberaubenden Pianissimo-Anschlag. Doch so reizvoll dieses Solo auch war, es wirkte in diesem Programm ein wenig verloren.

Das Kölner Kammerorchester hatte den Abend mit einer Orchestersuite aus Rameaus Oper "Dardanus" sehr farbig eröffnet. Nicholas McGegan war Gastdirigent, ein kleines Energiebündel, dessen gute Laune wie ein Zündfunke auf die Musiker übersprang. Sie spielen nicht auf Originalinstrumenten, aber nur wenigen gelingt derzeit die Kopie historischer Spielpraxis so verblüffend stilecht.

Mit Carl Philipp Emanuel Bachs Doppelkonzert für Cembalo und Hammerklavier (Es-Dur) trat ein Unikum der Musikgeschichte auf den Plan. Es wirkt wie der rührender Versuch der Versöhnung zwischen einer untergehenden und einer aufblühenden Epoche. Levin und die hübsche Chuang reizten die Möglichkeiten ihrer Instrumente nach allen Regeln der Kunst aus. Doch das spitze Zirpen des Cembalos und das sonore Schwingen der Flügelsaiten vertragen sich auf Dauer nicht wirklich.

Bachs 35 Jahre früher entstandenes Cembalo-Konzert h-moll wurde von Levin und dem Orchester als Aufbruch zu neuen Ufern vorgetragen. Temperamentvoll, Konventionen überwindend, mitunter aber etwas weitschweifig. Es häuften sich beim Solisten Patzer, die ihm am Klavier wohl nicht unterlaufen wären. Zum Schluss die Haydn-Sinfonie: nur reinste Freude. Sauberstes Zusammenspiel, leuchtender Klang, zupackende Frische. Fabelhaft!

(Volker Fries - Kölnische Rundschau, 26. März 2014)