Kölner Kammerorchester

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Date: 20.02.2018

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Ein Fiat 500 für Jospeh Haydn

Ideenreiche Regie bei"Lo Speziale"

Die Frage, wieso man von Haydns 24 Opern kaum welche kennt, ist leicht beantwortet: Haydn hat bei den Libretti auf leichte Kost gesetzt, selbst wenn wie im Fall von "Lo Speziale" Goldoni als Autor drübersteht. Der Stoff ist schnell erzählt: Hübsches Mädchen wird von drei Liebhabern umbuhlt, dem alten Apotheker, dem reichen, aber windigen Kunden und dem armen, aber liebenswerten Gehilfen.

Wäre da nicht Haydns Musik, man müsste keine drei Akte abwarten um zu ahnen, wie's ausgeht. Der Humor des 18. Jahrhunderts funktioniert heute nicht mehr ein zu eins. Also muss man Haydns Opern ein bisschen auf die Sprünge helfen. Eben das hat das Kölner Kammerorchester nun in der Philharmonie getan.

Erste Dusche in der Philharmonie

Regisseurin Eva Buchmann drapiert das Geschehen um einen Fiat 500 herum. Der war nach bester Commedia dell'arte-Manier präpariert. Mal durfte er Apotheke sein, mal Wohnstube mal Bad - jawohl, der Bass Piotr Micinski hat als Apotheker Sempronio auf der Bühne geduscht. In der Philharmonie ein bis dato singulärer Vorgang, aber eine Riesengaudi fürs Publikum. Zumal Tenor Alvaro Zambrano als Gehilfe Mengone emsig mit Aufwischen beschäftigt war.

Den reichen Kunden Volpino besetzt Haydn noch ganz barock mit Sopran. Virpi Räisänen kam gut damit zurecht und durfte sich in einer Arie noch zusätzlich als Geigerin in Szene setzen. Das Objekt der allseitigen Begierde, Griletta, wurde von Marina Zyatkova (Sopran) übernommen. Sie alle haben sich mächtig ins Zeug gelegt, sind dabei aber immer geschmackvoll geblieben. Micinski hat mit grandioser Komik mimisch den Vogel abgeschossen, fiel aber auch stimmlich im insgesamt guten Quartett angenehm auf.

Haydns Musik hat das Orchester ganz vorne auf der Stuhlkante gespielt, voller Saft und Kraft. Und gezeigt, was für herrliche Arien in diesem so grellbunten wie gediegenen Spektakel zu finden sind. Man merkte in jeder Sekunde, dass die Musiker und ihr Dirgent Jan Willem de Vriend Lust auf diese Musik hatten.

(Johannes Zink) Kölnische Rundschau vom 20. Februar 2018