Kölner Kammerorchester

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Date: 19.02.2019

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Geigengirlanden für den Verführer

Kölner Kammerorchester mit origineller Schubertiade in der Philharmonie

Christoph Poppen und das Kölner Kammerorchester lockten zu einer originellen Schubertiade in die Philharmonie. Im Zentrum standen Lieder von Schubert und Mahler, allesamt meisterhaft interpretiert von Christoph Prégardien. Der Tenor mit baritonaler Färbung sang fünf von Schuberts berühmten Klavierliedern in Orchesterfassungen, die man selten hört: Schubert im Kreis der jüngeren Kollegen Berlioz, Brahms, Max Reger und Anton Webern.

Die Bearbeiter ließen die Singstimme unangetastet, tauchten aber Schuberts Klaviersatz in Farben von Streichern und Bläsern, manchmal von Schlagwerk akzentuiert. Die Arrangements wirkten neben dem Original wie Gemälde neben Zeichnungen. Sänger und Orchester beeindruckten in feiner Abstimmung. Bestes Beispiel: Schuberts Goethe-Ballade „Erlkönig“. Berlioz’ Orchesterversion veräußerlicht das Drama und treibt es an.

Höchst sensibel, dabei vollkommen beherrscht zeichnete der Sänger die Menschen, das verschreckte Kind, den besorgten Vater und den Verführer, dem Berlioz Geigengirlanden beifügt. Original für Orchester hat Mahler seine frühen „Lieder eines fahrenden Gesellen“ komponiert. Prégardien zeigte ihre Schubertnähe in Nuancen von Trauer, Wehmut, Resignation. Und Poppen feuerte das Orchester zu starken Kontrasten an.

Klangschärfen, harte Schnitte und Kontraste

Und Poppen feuerte das Orchester zu starken Kontrasten an. Zwei Sinfonien umrahmten das großartige Liedprogramm, zuerst Haydns 26. Sinfonie d-Moll (1768). Ihr Beiname „Lamentatione“ verweist auf Zitate aus Gesängen zur Passion. Damals mochten die Zuhörer sie erkannt haben, heute geben sie der Sinfonie noch manchen sakralen Zug. Wohl deshalb dämpfte der Dirigent einige der Sturm-und-Drang-Effekte. So klangen die Synkopenketten eher mild statt Widerborstig.

Anders das Finale, Schuberts h-Moll-Sinfonie, die „Unvollendete“. Hier spielten die Kölner zupackend. Sie nahmen Schuberts Klangschärfen, harte Schnitte und Kontraste ernst. Jetzt zeigten sich auch die Stärken der kleinen Besetzung, in weiträumig gespannten Steigerungen und in schön einmütigem Spiel.

(Marianne Kierspel im Kölner Stadt Anzeiger vom 19. Februar 2019)